Es gibt da eine Jeans in seinem Kleiderschrank, die noch nicht bemerkt hat, dass Oscar keine Windel mehr trägt. Diese Jeans ist ein wenig zu groß für Oscars zarten Hintern.
Rennt Oscar nun durch Kreuzberg und das tut er oft, denn Fortbewegung zu Fuß ohne dabei zu rennen liegt Oscar fern, dann rutscht die Hose langsam herunter.
Passanten, die das große Glück haben, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, sehen Oscar dann auf sich zurasen, meist irgendetwas von Usain Bolt brüllend, dann sehen sie, wie Oscar seine Hose verliert, o-beinig stehenbleibt, seine nackten Beine anguckt und lacht. Der Passant, der dabei nicht fröhlich wird, ist uns bislang noch nicht begegnet. Eine sehr freundliche Dame hat sich nach Oscars Darbietung sogar beim Künstler und dessen Förderer bedankt. Man habe ihr soeben den Tag versüßt. Anspruchsloses Kreuzberg...
Schön ist, dass wir in unserer neuen Wohnung jetzt zwei Badezimmer haben. Schön ist das, weil Papa sich früher immer über klopfende und vor der Badezimmertür hüpfende Kinder geärgert hat. Heute sieht es aber leider nicht so richtig anders aus. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass insbesondere Oscar ein klares Lieblingsklo hat. Ist dieses besetzt, wird geklopft und gehüpft wie eh und je. Doch es besteht Hoffnung: Oscars grenzenlose Liebe zu dem einen Badezimmer resultiert nämlich nur aus der Tatsache, dass an dessen Tür ein Bochum-Wimpel baumelt.
Oscar jedenfalls nennt diesen Raum schlicht "Bochum-Klo" und würde es nie wagen, das Nicht-Bochum-Klo zu betreten. Die Lösung liegt selbstredend auf der Hand und wurde bereits sowohl in den Hirnwindungen der Mutter wie auch des Vaters unabhängig voneinander ausgebrütet.
Die letzten Bilder des heutigen Blog-Eintrages haben wir auf dem Tempelhofer Feld geknipst. Man wollte gemeinsam einen Drachen steigen lassen. Viele andere Berliner hatten diese Idee und so flogen, gelenkt von ehrgeizigen Männern, so an die 30 bunten Drachen über Tempelhof - es waren so richtig professionelle Teile, die großen Eindruck machten.
Oscar tat das einzig Richtige: Er setzte sich mitten auf das ehemalige Flugfeld und streikte. Sein Bein... Au weia... Das könne er ja nun so gar nicht mehr bewegen.
Der Vater, der soeben seinen letzten Sprint quer über den Flughafen beendet und den Drachen verflucht hatte, durfte den Sohn nun also nach Hause tragen.
Nicht einen Schritt machte Oscar mehr. Erst in der Wohnung konnte er wieder rennen.
"Das ist bestimmt die WG unter uns. Die beschweren sich jetzt über Euch", sagte die Mama noch halb im Spaß, öffnete die Tür und sah sich einem Bewohner der WG gegenüber. Er beschwerte sich.
Mama sprach zu dem verdutzten Studenten: "Sehr gut. Sag das bitte noch mal meinen Kindern" und dabei deutete sie auf die entsetzten Gesichter einen Meter unter ihr.
Die Mutter berichtete am Abend dem Vater davon. Dieser ging zu den Kindern. Er fragte Ella, ob sie will, dass der Mann noch einmal kommt. Kopfschütteln. Schlucken.
Papa ging zu Oscar. Hier auch. Kopfschütteln. Schlucken.
Und siehe: Der studentische Besuch war ein voller Erfolg. Erst seit gestern rennen und toben unsere Kinder wieder durch die Wohnung.